die Hände behandeln, wieso gut?









Bemerkungen, die aus meiner SKOM Abschlussarbeit stammen:


Die Hand, Touch, ist der direkte Weg zur Insel im Gehirn.

(Als Erinnerung für mich selbst: Wo liegt die Insel?
diesen Cortex Bereich findet man, wenn man den sulcus lateralis auseinanderzieht.
Es ist ein Bereich an der lateralen Oberfläche der Hemispähre, der während der Entwicklung zurückbleibt und von stärker wachsenden Nachbargebieten überlagert wird.
So weit so gut!)

Die persönliche Zuwendung des kompetenten Osteopathen, das Hand-Auflegen scheint ein wesentlicher Faktor beim Erlebnis der Schmerzreduzierung und des Wohlbefindens.
Wahrscheinlich stoßen Medizin und Osteopathie hier an ein Grundphänomen des Heilens.
Die Begründung für die subjektive Bindung an den Osteopathen liegt interessanterweise in harter Forschung.

Ich weise auf Forschungsergebnisse, die in Schweden gewonnen wurden, in drei Arbeiten wurden sie veröffentlicht,
immer unter Mitarbeit eines Forschers, Hakan Olausson.

Ich zitiere die drei Arbeiten mit den wesentlichen Ergebnissen:

1.Somatotopic organization of gentle touch processing in the the posterior insular cortex, 2009,
a network of thin (C and A delta) afferents relays various signals related to physiological condition of the body,
including sensations of gentle touch, pain, and temperature changes.
Der Insel Cortex erscheint als Zentrum unter Anderem für Berührungsverarbeitung.

2. The skin as a social organ, 2009,
"touch can mediate social perceptions in various ways", touch as a channel of social information.
Three importat roles for this affective dimension of the cutaneous senses in the transmission and processing of social information:
first, through affiliative behavior and communication; second, via affective processing in skin skin-brain pathways;
and third, as a basis for intersubjective representation.
Die Haut mit ihren Haut-Hirn-Nerven-Pfaden erscheint als Vermittler zwischen Personen und ihren Vorstellungen,
das klingt etwas abstrakt, passt genau auf das Verhältnis zwischen Patient und Osteopath.


3. The neurophysiology of unmyelinated tactile afferents, 2010, CT (C tactile) afferents are a distinct type of unmyelinated,
low-threshold mechanoreceptive units existing in the hairy but not glabrous skin of humans and other mammals.
Signaling in these fibrers activate the insular cortex.
Since this system is poor in encoding discriminative aspects of touch, but well-suited to encoding slow, gentle touch,
CT fibers in hairy skin may be part of a system for processing pleasant and socially relevant aspects of touch.
CT fiber activation may also have a role in pain inhibition.
Dieser Teil des Nervensystems ist im Verhältnis Patient-Therapeut hoch lebendig:
diese Nervenleitungen übermitteln langsam Berührung, weiche Berührung, die angenehm empfunden wird.
Schmerz wird gelindert.


Die Wege zur Inselrinde in unseren Gehirnen über Berührung des Therapeuten funktionieren.
Das belegen die Arbeiten von Esser, Bilgeri, May, Mauser, die Untersuchungen zum Augeninnendruck bei Glaukom Kranken machten.
Ich habe diese Arbeiten in meiner Abschlussarbeit für die SKOM besprochen.

Diese Kommunikation zwischen Therapeut und Patient über "touch", Berührung ist wortlos aktiv. Schmerz wird kleiner, das allgemeine Befinden bessert sich.

Es wird manchen wie ein ärgerliches Phänomen erscheinen, dass der direkte Hautkontakt heilend ist, ist es nicht.
Dieses Phaenomen zeigt die menschliche Natur in einer urtümlichen Verfassung, bestimmt durch Phänomene jenseits des analysierenden Intellekts.
Es verbindet uns Erwachsene mit Kindern und vierbeinigen Säugern: Berühren heilt und schützt.